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Lochkamera (Pinhole) total „scheiße“ oder „echt geil“?
Die Lochkamera ist ein in Vergessenheit geratene Aufnahmetechnik, deren Anwendung auch an deiner "Digi! interessant sein kann.
Liebe Foto-Freunde: Meine Antwort zum Titel: keines von beiden! Die Lochkamera ist ein legtimes Darstellungsmittel, dessen Anwendung machmal passt und manchmal auch nicht, einfach ein weiteres Wechselobjektiv in der Foto-Ausrüstung, wie alle anderen auch. Ich habe in diesem Forum unter der Rubrik "Experimente" und der Unter-Rubrik "Unschärfe" wiederholt mithilfe der Lochkamera-Optik gemachte Fotos veröffentlicht. Eure Reaktion war durchwachsen, was nicht überrascht: eine ganz kleine Miderheit war begeistert, genau wie ich, die grosse Mehrheit (ca. 90%) war ratlos oder irrititiert, eine Minderheit sogar entrüstet, nach dem Motto "Wie kann dieserToivo es wagen, hier so einen Scheiss zu posten?" Ich will niemanden zur Lochkamera bekehren, sondern jetzt den Skeptikern begreiflich machen, warum ich sie anwende. Das Wort Fotografie kommt aus dem Griechischen und meint, mit Licht zu malen oder zu zeichnen. Fotografie gehört also zur Malerei, obwohl sich beide oft spinnefeind sind. Dementsprechend ist es erlaubt, in der Fotografie anzuwenden, was in der gewöhnlichen Malerei funktioniert. Die klassische Malerei entwickelte sich jahrhundertelang zu immer perfekteren Gemälden, bis deren Abbildungsqualität von der gewöhnlichen Fotografie kaum noch übetroffen werden kann. Da rebellierten dann plötzlich einige junge Künstler, gingen in der Zeit zurück bis an die Anfänge und eigneten sich eine barbarischen Stil an, der mit Höhlenmalerei und Kinder-Zeichnungen vergleichbar ist: gröbste Pinselstriche in schreienden Farben und völliger Verzicht auf die Ausarbeitung von Details. Gemeint sind die Impressionisten und Expressionisten, deren Unterschied untereinander uns hier nicht interessieren soll. Auf vielen Gemälden von Vincent van Gogh kann man wirklich nur grobes erkennen. Die Reaktion der Betrachter ist bis heute durchwachsen: Ratlosigkeit und Irritation, Entrüstung bis hin zum Skandal, aber auch Begeisterung und Faszination! Die Künstler wollten nicht das Objekt, sondern dessen geometrische Form und das von ihm ausgesandte, bzw. reflektierte Licht darstellen, oft mit Übertreibung der Kotraste. Weil Einzelheiten das Auge hiervon ablenken, stellt man sie dank der neuen (uralten) Maltechnik einfach nicht dar. Will man in der Fotografie in der Zeit zurück bis an die Anfänge, verzichtet man im Objektiv als erstes auf Elektronik, vertellbarer Blende und Linsensysteme und ersetzt diese durch eine einzelne Sammellinse. So was kann man tatsächlich kaufen: die chinesische Plastik-Sucherkamera "Diana" oder das "Subjektiv" von Novoflex, in das man eine Glas- oder eine Plasiklinse einsetzen kann, wodurch die Digitalkamera zur "Diana" wird. Entsprechend "grausam" ist die Abbildungsqualität. Wem das nicht "grausam" genug ist und ein richtig "böses" Objektiv will, greift zur Lochkamera. Sie hat weder Linse noch Fossiervorrichtung, weil es Bild-(Kern-)Schärfe im eigentlichen Sinne nicht gibt. Statt dessen ist da eine Lochblende, deren Lochdurchmesser (Auflagemass in mm - 15%)/100 betragen sollte. Das sind beim Skink-Pinhole für MFT-Kameras mit einem Auflagemass von 18mm der Durchmesser von 0,15mm. Das ist der beste Kompromiss zwischen möglichst engem Lichstrahl und zusätzlicher Unschärfe durch Licht-Beugung. Die Lichstrahlen fallen durch das Loch auf den Bildsensor und erzeugen dort ein kopfstehendes und Seitenverkehrtes Bild, wie jedes andere Objektiv auch. Der Effekt ist genau der gleiche wie bei den Impresionisten und Expresionisten: grobe, detailfreie Dartstellung, dafür bleibt der Augenmerk auf den groben geometrischen Strukturen, den Farbabstufungen und der Licht-Stimmung. Die Lochkamera, in der Kinderstube der Fotografie das einzig verfügbare Objektiv, ist heute ein Spezialobjektiv, um impressioistische oder expresionistische Fotos zu erzeugen. Das macht auch noch einen Heidenspass. Man hat mit etwa 70 % Bild-Asschuss zurechnen, weil Pinhole-Aunahmen bei einigen Motiven einfach nicht wirken. (Übrigens: "Pinhole" kommt aus dem Englischen und mein ein mit einer Stecknadel gestanztes Loch.) Das Element Ungewissheit und Abenteuer kommt also mit ins Spiel. Wer selbst mit einer Lochkamera-Optik experimentieren und sich die Option "bei Nicht-Gefallen ab in die Mülltonne" offenhalten will, das "Rising" bei Amazon kostet keine Euro 30,-, das "Holga-Pinhole" bei Foto-Brenner keine Euro 20,-. Wer sich jedoch ernsthaft damit beschäftigen will: das Siknk-Pinhole mit auswechselbaren Lochblenden nach Mass ist meiner Meinung nach wohl das beste. Gut Licht: Toivo
RE:Lochkamera (Pinhole) total „scheiße“ oder „echt geil“?
Man sollte sich mal wieder mit dem Thema befassen. Ich hab mir mal so einen Pinholeaufsatz für meine Kamera beschafft, bei rund 100% verließ mich dann schnell die Begeisterung :-/ Erstmal muss ich rauskriegen, was das für drei Einsätze waren, die mit dabei waren. Photonensieb oder sowas. Gruß
RE:Lochkamera (Pinhole) total „scheiße“ oder „echt geil“?
Lieber Alexander: Darf ich ein paar Tips geben? Die "Zonenplatte" von Skink ist echt fur den A... . Das "Photonensieb" kann man gebrauchen, aber ohne digitale Nachbearbeitung bleibt das Bild vernebelt. Analog-Fotografen haben hier nur die Möglichkeit, unterzubelichten. Als Digi-Fotograf solltest du hinterher den Kontrast aufsteilen und zusätzlich, falls nötig, die Belichtung vermindern. Am besten funktioniert immer noch die simple Lochblende. Du solltest die bei Skink noch zusätzlich eine Lochblende kaufen, deren Bohrung 0,05 mm kleiner ist als die, du im Set hast, bei Vollformatsensor vielleicht auch noch die 0,1 mm kleinere. Dann testest du für deine Kamera, bei welcher Lochblende es die beste Auflösung und den besten Kontrast (geringst mögliche Überstrahlungen) gibt. Bei dieser Lochblende bleibst du. Die anderen kannst du getrost verschenken. Nun zur Bildkomposition: was immer du fotografierst: je simpler und detailärmer das Motiv, um so besser. Gerade bei der Lochkamera gilt: weniger ist mehr. Belichtung: wenn du nicht bewusst die "ewigen" Belichtungszeiten suchst, stell deine Kamera auf ISO 3.200, bei Vollformat sogar ISO 6.400. Wichtig ist, dass dein Kameragehäuse eingebaut oder deine Software am Computer über eine wirkungsvolle Rauschunterdrückung verfügt. Versuche nicht "eckige" Eier zu legen: Pinhole und detalreiche Aufnahmen, das geht einfach nicht, ausser analog mit grossen "Kästen" auf Panorama-35-mm-Film, Mittelformat oder gar Planfilm: bei grossen Film- oder Sensorformaten können Pinholes richtig scharf werden. Optik ist eben eine komplizierte Wissenschaft. Und nun viel Spass! Für ein Pinhole bracht man auch Humor. Gut Licht: Toivo Willmann
RE:Lochkamera (Pinhole) total „scheiße“ oder „echt geil“?
Aus lauter Verzweiflung habe ich heute morgen mal die Pinholeaufsätze mitgenommen und war erstaunt, was da plötzlich an Sensorflecken zu sehen ist :-) Immerhin, jetzt weiß ich, welche der kleinen Scheibchen für die Tonne sind und welche funktioniert ohne Gloweffekte, das sah mehr nach Peeholefotografie aus... 361854 Gruß
RE:Lochkamera (Pinhole) total „scheiße“ oder „echt geil“?
hm, habe ich ein Leerzeichen vergessen? 361854
RE:Lochkamera (Pinhole) total „scheiße“ oder „echt geil“?
Lieber Alex: Sensorflecken Pinhole: typisch! Da wirkt sich das Gesetz aus, dass Sensorflacken um so stärker auftreten, je kleiner die Blendenöffnung bei der Aufnahme war. Da gibt es nur zweierlei: * Kamera sauber machen, ohne sie zu zerstören. Geht am besten mit dem "Spec-Grabber". Nicht teuer, Anschaffung lohnt sich. * Nach der Aufnahme digital ausflecken. Gut Licht: Toivo |